Kabukichō Buntlichtmilieu

kabukibunt

Jetz noch mal voll was auf die Augen und mitten ins Herz. Wir präsentieren KABUKICHO, das zwielichtige aber dafür schön grellbunte Zentrum für Familienspass und adult entertainment. Im absoluten Epizentrum von Tokyo, direkt um die Ecke von Shinjuku Eki (=Bahnhof) - das war der mit dem höchsten Fahrgastdurchsatz der Welt. Praktisch gelegen also. Wer sich traut, weiterblättern…

massen

Und am besten nie stehen bleiben, sonst rennen einen die Massen hier über den Haufen. Das Foto ist übrigens am Donnerstag geschossen. Samstag abends verwackeln die Bilder immer so. Kabukicho ist übrigens ein Überbleibsel der amerikanischen Besatzung hier, der - nachdem sie alles niedergebombt haben - kurzerhand ein Vergnügungszentrum für ihre Soldaten errichtet wurde (So zumindest die inoffizielle Version der Geschichte). Der offizielle Start von Kabukicho war die Planung eines Kabuki-Theaters, das aber leider dann zu teuer wurde und nie existiert hat. Aber es ist trotzdem ganz nett geworden hier.

soundstart  akari

Die ganzen Insiderinformationen kommen übrigens von Max Hodges, der seit Jahren das Viertel durstreift und gerade eine Audio-Tour fürs Viertel macht. Die kann man sich dann auf den MP3-Player zischen und hält sich gleichzeitig mit großen Kopfhörern die aufdringlichen Strip-Bar Häscher vom Leibe. Hier sieht man Akari beim Beta-Test. Wir sind also mal wieder die ersten Insider.

rock

Leider kann man dann die Musik nicht hören. Aber die geht meistens im Gekreische der weiblichen Fans unter. Oder im allgemeinen Soundgewusel aus Lautsprechern, riesigen Fernsewänden, sprechenden Lastwagen und was sonst noch so fleucht.

navi

Hier ist also das Rotlichtviertel. Wobei die richtig kecken Läden eher den kompletten Regenbogen ausnutzen um potentielle Kunden herbeizulocken. Das hier ist übrigens ein “Navi”, da geht man hinein, wenn man noch nicht so genau weiss was man will oder wo man es am besten findet. Die Angebotspalette liegt zwischen simulierten Flugzeugkabinen und frechen Stewardessen, über die klassische japanische Schulmädchen-Phantasie bis zu abgedrehteren Dingen wie aufwändig nachgespielten Mangaszenen oder düsteren unterirdische Fesselkammern.  Die richtigen Schweinereien gibts aber in anderen Läden:

pig

RAMEN, die klassisch leckere Schweine-Nudelsuppe, von der man nie genug bekommen kann. Oder eben Fisch. Ach nee, Wale sind ja eigentlich Säugetiere, ganz vergessen. Ganz vergessen auch, dass der Walfang eine ziemlich durchgeknallte Metzelei ist. Aber das sieht man auf dem Teller ja nicht. Jedenfalls gibts das hier. Hätte auch gewundert wenn nicht.

wal essen?

signs

Allerlei bunte Fassaden natürlich. Blink und blitzer bis einem die Augen zufallen, hier kommt man sich tatsächlich vor wie in der überdrehten Zukunft. Dunkel wirds hier ganz bestimmt nicht. Oben gibts Tonkatsu, das ist japanisches Schnitzel, unten vermutlich Mangas.

manga

game

Hier gibts Games. Und das ist auch so ziemlich das einzig familientaugliche an Kabukicho. Sonst würd ich mit den Kids aber eher ins Schwimmbad gehen. Ziemlich viele der Games sind inzwischen deutlich mehr als nur Knöpfchen drücken.  Hier zum Beispiel Bällchen werfen…

familienspass

pong pong

… oder Trömmelchen schlagen. Was übrigens in der Tat durchaus Spass macht und darüber hinaus nicht besonders teuer ist. Akari übt schon mal fleissig. Gleich werd ich ihr zeigen wo der Hase im Pfeffer begraben ist oder so ählich.  Wenn ich meinen Schläger hier unter Kontrolle kriege. 300 Yen, 30 Bälle aus der Wurfmaschine und wenn man mal 5 davon trifft ist man echt reif für die Liga. Dabei haben wir bei der langsamsten Maschine (80 km/h) angefangen. Die richtigen Jungs pfeffern die Bälle mit 125 durch die Arena und wenns das Netz nicht gäb wahrscheinlich bis zum Fuji.

baseball

games

Trostpreise gibts jedenfalls genug ;)

ladies

Wenn man sich erst mal richtig verlaufen hat kommen nämlich die interessanten Läden. Und die locken dann auf meterhohen Fassaden mit aufgehübschten Prinzen und Prinzessinnen. Gut dass auch gleich die Preise dranstehen, dann kann man die Qualität der Konversation schon mal abschätzen. Darum geht s nämlich tatsächlich, man bezahlt den Basispreis von ca. 20 - 100 EUR, dann einen Aufpreis, damit man sich jemanden aussuchen darf dem man sündhaft teure und edle Drinks spendieren muss, die der- oder diejenige dann hinterher auf dem Klo wieder ausspuckt um nicht betrunken zu werden. Und am Ende wundert man sich, wenn der Gelbeutel leer ist, nur weil man sich ein Stündchen mit jemandem an der Bar unterhalten hat.

boys

No aber fesch sans fei scho die Burscherl oder? Die werden zum Großteil von den Hostessen in ihrer Freizeit gebucht (und bezahlt), was den traurigen Nebeneffekt hat, dass es die Mädels umso schwerer haben jemals aus dem Milieu wieder auszsteigen, weil sie ja irgenwie ihre Schulden bezahlen müssen. Aber das vergisst man schnell wieder, wenn erst mal drin ist. Da nimmt man sowieso nichts mehr ernst:

club

boys and me

mit meinen Blonden Haaren wär ich wohl ein ziemlich hochgehandelter Exot. Call me!

hanami

Hier noch ein paar melancholische Blümchen zum Abschied…

taxi

tomorrow

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